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Rezension von Axel Denecke
Bonhoeffer bewegt

Bonhoeffer bewegt

Über die Wechselwirkungen zwischen Biografie und Theologie

Herausgegeben von
Karl Martin
1. Auflage 05/2006
108 Seiten kartoniert

ISBN 978-3-9809376-1-0

Preis 9,80 €
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Abstract

„Bonhoeffer bewegt – Über die Wechselwirkungen zwischen Biografie und Theologie“ erscheint im Jahr 2006, in dem an den 100. Geburtstag Dietrich Bonhoeffers erinnert wird. Dem Buch ist das Grußwort des Bundespräsidenten zum 100. Geburtstag Dietrich Bonhoeffers vorangestellt.

Sodann werden drei Vorträge veröffentlicht, die sich mit den Wandlungsprozessen in der Biografie Bonhoeffers befassen:
  • Die Wendung Dietrich Bonhoeffers vom Theologen zum Christen Biographische Hintergründe für Bonhoeffers ökumenische Friedensethik und Theologie
  • Warum kehrte Dietrich Bonhoeffer 1939 aus New York nach Deutschland zurück?
  • Ich möchte glauben lernen
Die Wandlungsprozesse in der Biographie Dietrich Bonhoeffers

Der Zusammenhang zwischen Biografie und Theologie ist bei Bonhoeffer sehr viel enger, als dies üblicherweise der Fall ist. Theologie ist für ihn „Kampfmittel, nicht Selbstzweck“. Bonhoeffer will etwas „bewegen“, nämlich Wirklichkeit verändern, neues Verhalten provozieren.

Der vorliegende Buchhinweis ist in die Homepage des Fenestra-Verlags eingestellt und kann dort heruntergeladen werden. Bestellungen des Buches sind über den Verlag (Verlags-Homepage, Telefon, Telefax, Postweg) oder über den Buchhandel möglich.

Inhaltsverzeichnis

Grußwort des Bundespräsidenten
zum 100. Geburtstag Dietrich Bonhoeffers am 4. Februar 2006

Vorwort
von Dr. Karl Martin

Die Wendung Dietrich Bonhoeffers vom Theologen zum Christen
Biographische Hintergründe für Bonhoeffers ökumenische Friedensethik und Theologie; Vortrag von Dr. Karl Martin, gehalten auf der Jahrestagung des dbv am 8. Mai 2004 in Eisenach/Thüringen

Warum kehrte Dietrich Bonhoeffer 1939 aus New York nach Deutschland zurück?
Vortrag von Karl Martin, gehalten auf der Veranstaltung „Kultur als Waffe – Intellektuelle im Exil“ am 20. Juli 2001 in der Französischen Friedrichstadtkirche in Berlin

Ich möchte glauben lernen
Die Wandlungsprozesse in der Biographie Dietrich Bonhoeffers; Vortrag von Karl Martin, gehalten am 23. Januar 2005 in Casale Monferrato in Norditalien im Rahmen des „Giornata della Memoria“

Vorwort

Das Buch „Bonhoeffer bewegt – Über die Wechselwirkungen zwischen Biografie und Theologie“ erscheint im Bonhoeffer-Jahr 2006, in dem an den 100. Geburtstag Dietrich Bonhoeffers erinnert wird.

Vom 2. bis 5. Februar 2006 veranstaltete der Dietrich-Bonhoeffer-Verein (dbv) seine Jahrestagung in Berlin. Die Gedenkveranstaltung zu Bonhoeffers 100. Geburtstag wurde am Jubiläumstag, dem 4. Februar, in der Französischen Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt in Berlin-Mitte durchgeführt. Im Rahmen dieser Veranstaltung kam das Grußwort zur Verlesung, das der Bundespräsident auf Anregung des dbv verfasst und zur Verfügung gestellt hatte.

In dem vorliegenden Band werden drei Vorträge veröffentlicht, die sich mit der Biografie Bonhoeffers befassen. Den Vorträgen geht es darum, die Wandlungsprozesse zu beschreiben, die sich in der Biografie und Theologie Bonhoeffers vollzogen haben. Angeregt worden bin ich zu meinen Überlegungen durch die berühmte Bonhoeffer-Biografie von Eberhard Bethge. Vgl. Eberhard Bethge, Dietrich Bonhoeffer: Theologe – Christ – Zeitgenosse. Chr. Kaiser Verlag München 5. Aufl. 1983. In zukunft zitiert als: DB.

Eberhard Bethge legt dar, Bonhoeffer habe in seiner Biografie zwei besonders markante Lern- und Veränderungsprozesse durchlaufen. Die erste Veränderung nennt Bethge „Die Wendung vom Theologen zum Christen“ (DB 246 ff.). Der Wandlungsprozess vollzog sich 1930/31 im Zusammenhang mit Bonhoeffers erstem USA-Aufenthalt. Die zweite Veränderung sieht Bethge als eine „Wendung des Christen zum Zeitgenossen“ (DB 760 ff.). Diese zweite Wendung ereignete sich im Zusammenhang mit dem zweiten USA-Aufenthalt 1939.

Während die beiden ersten Vorträge die Wendungen von 1930/31 und 1939 beschreiben, bietet der dritte Vortrag einen Gesamtüberblick über Bonhoeffers Entwicklung. Dabei knüpft er im Titel an eine Formulierung an, die Bonhoeffer als Aussage über sein eigenes Leben in dem berühmten Brief vom 21. Juli 1944 geprägt hat: „Ich möchte glauben lernen“ (Dietrich Bonhoeffer-Werke = DBW 8, 542). Der christliche Glaube ist nicht ein statisches, als Besitz erwerbbares oder als Mitgliedschaftsrecht verfügbares Personenmerkmal, sondern ein permanenter Lernprozess. Diese These ist typisch für Dietrich Bonhoeffer. So hat er gelebt und im-mer wieder neu die Herausforderungen seines Lebens – als Lernender – bewältigt.

Der Zusammenhang zwischen Biografie und Theologie ist bei Bonhoeffer sehr viel enger, als dies üblicherweise der Fall ist. Natürlich haben auch bei Bonhoeffer alle theologischen Texte einen biografischen Hintergrund und einen zeitgeschichtlichen Kontext. Ihr „Sitz im Leben“ muss bekannt sein, wenn Verstehen gelingen soll. Der Zusammenhang zwischen Biografie und Theologie erschöpft sich jedoch nicht in dieser selbstverständlichen Dimension des historischen Gewordenseins. Die Dichte des Zusammenhangs ist so stark, dass bei Bonhoeffer die Theologie eine veränderte, völlig neue Funktion erhält. Das Nur-Verstehen, die Nur-Interpretation sind immer noch dem Bestehenden und seiner Legitimation verpflichtet und reichen deswegen als Existenzberechtigung für Theologie nicht mehr aus. Es muss eine Praxisrelevanz hinzukommen. Es geht um die Veränderung von Wirklichkeit (vgl. Karl Marx in der 11. These über Feuerbach: „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu verändern“). Theologische Sätze haben sich einzumischen in die öffentlichen Debatten und politischen Auseinandersetzungen. Zum Wesen theologischer Sätze gehört ihre Absicht, verändertes Handeln anzustoßen bzw. verändertes Verhalten zu veranlassen. Mit den Worten Bonhoeffers: „Theologie ist ein Hilfsmittel, ein Kampfmittel, nicht Selbstzweck“ (GS 3, 423 = DBW 16, 496).

In diesem Sinne will Bonhoeffer „bewegen“. Der Dietrich-Bonhoeffer-Verein (dbv) hat das Projekt „Bonhoeffer bewegt“ ins Leben gerufen. Das Projekt möchte allen Interessierten den Lebensweg Dietrich Bonhoeffers, sein Denken und Handeln nahe bringen. Für Schulen und Gemeinden, für Jugendarbeit und Erwachsenenbildung werden Arbeitsunterlagen und sonstige Materialien bereitgestellt (siehe http://dietrich-bonhoeffer-verein.dike.de ). Der vorliegende Band versteht sich als ein Beitrag zu diesem Projekt.

Berlin, im Juni 2006
Karl Martin