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Bischof George Bell

Bischof George Bell

Reden vor dem Oberhaus des Britischen Parlaments und Briefwechsel mit Rudolf Heß

Herausgegeben von
Peter Raina

1. Auflage 05/2012
250 Seiten, kartoniert

ISBN 13: 978-3-9813498-5-6

Preis 24,30 €
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Abstract

Bischof George Bell war immer der Ansicht, dass die Kirche bemüht sein sollte, sich mit den Problemen der modernen Welt zu befassen. Deshalb war er ein Vorreiter dabei, die Prinzipien des christlichen Glaubens auf nationale und internationale Fragen zu beziehen. George Bell ergriff im Oberhaus (dessen prominentes Mitglied er von Dezember 1937 bis Januar 1958 war) oft das Wort, um gegen Klassenund Rassenhass zu sprechen, gegen den Krieg und gegen Totalitarismus, und er sprach für die unschuldigen und hilflosen Opfer von Verfolgung. Dieser Band präsentiert den gesamten Text aller Reden Bells im Oberhaus, die damit erstmals in einem Band vorliegen. Die Fragen, mit denen sich Bell befasst hat, sind im Wesentlichen heute noch von Bedeutung.

In diesem Band ist auch der bislang unveröffentlichte Briefwechsel zwischen George Bell und Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß enthalten. Nachdem die Nationalsozialisten in Deutschland
an die Macht gekommen waren, hatte Bell den Eindruck, dass er als engagierter Christ die deutsche Kirche verteidigen müsse, welche die Nazis vernichten wollten. Der Bischof unter­nahm beträchtliche Anstrengungen, Kontakt mit den Mächtigen in Deutschland aufzunehmen; mit Menschen, von denen er wusste, dass sie Entscheidungen von weitreichender Konsequenz treffen würden. Zu ihnen zählte auch Rudolf Heß.

Peter Raina hat Moderne Geschichte am St. Catherine’s College in Oxford und Theologie in Clare Hall in Cambridge studiert. Er erwarb seinen MA an der Clark University in Worcester/ Massachusetts (USA) und seinen Dr. phil. an der Universität Warschau. Er war wissenschaft­licher Mitarbeiter am Osteuropa Institut der Freien Universität Berlin; Gastdozent am Centre for International Studies der Faculty of History an der Cambridge University sowie am Centre for International Studies an der London School of Economics and Political Science; Senior Research Associate am Balliol College in Oxford sowie Senior Common Room Member in Christ Church in Oxford. Er hat zahlreiche Bücher über europäische Geschichte und Politik verfasst.

Übersetzung: Dr. Gerlinde Baumann, Buxtehude.
Umschlaggestaltung u. Layout: Anett Lupelow (d d designt) in Berlin,
Kontakt: lupelow@d-d-designt.de


Inhaltsverzeichnis

Vorwort
Vorwort der Herausgeber

Geleitwort
Prof. Dr. Peter Steinbach

Bell und die Ökumene
Reinhard Groscurth / Marion Gardei

Moralische Autorität und politische Verantwortung
Peter Raina

Reden vor dem Oberhaus des Britischen Parlaments
  1. Flüchtlingsprobleme
  2. Friedensvermittlung
  3. Die fünfte Kolonne
  4. Deutschland und der Hitlerstaat
  5. Deutsche Gräueltaten
  6. Die Auslandsbeziehungen nach dem Krieg
  7. Agrarpolitik
  8. Das Vorgehen bei den Bombenangriffen
  9. Probleme bei der Hilfe für Europa
  10. Die moralische Erneuerung Europas
  11. Kriegerdenkmäler
  12. Weltfriedensorganisation
  13. Der Weltstaat
  14. Die wirtschaftliche Situation in Deutschland
  15. Die Beschäftigung von Kriegsgefangenen
  16. Displaced Persons
  17. Wir sollten uns Europa als Ganzes vorstellen
  18. Die Arbeit der UNESCO
  19. Prozesse gegen deutsche Kriegsverbrecher
  20. Deutsche Gefangene in Russland
  21. Der Schuman-Plan
  22. Wie tritt man der Politik totalitärer Systeme in der Nachkriegszeit entgegen?
  23. Religionsverfolgungen in kommunistischen Staaten
  24. Totaler Krieg, gerechter Krieg und der Einsatz der Atombombe
  25. Zur deutschen Einheit
  26. Die Bedeutung der Errichtung von Neubauten
  27. Die Zentralafrikanische Föderation
  28. Hochschulbildung
  29. Die Reform der Verfassung des Oberhauses
  30. Verabschiedung des Bischofs von Chichester (30. Januar 1958)
  31. Abschiedsrede: Gegen die Religionsfreiheit gerichtete Entwicklungen in Ostdeutschland

Anhang – Briefwechsel mit Rudolf Heß
  1. Unterredung mit Rudolf Heß (20. September 1935)
  2. Bischof George Bell an Rudolf Heß (4. Oktober 1935)
  3. Bischof George Bell an Frau Heß (4. Oktober 1935)
  4. Memorandum zur Frage der Deutschen Evangelischen Kirche im Verhältnis zum nationalsozialistischen Staat (4. Oktober 1935)
  5. Bischof George Bell an Rudolf Heß (2. Dezember 1935)
  6. Rudolf Heß an Bischof George Bell (3. Februar 1936)
  7. Bischof George Bell an Rudolf Heß (9. März 1936)
  8. Bischof George Bell an Rudolf Heß (1. September 1936)
  9. Rudolf Heß an Bischof George Bell (6. Oktober 1936)
  10. Bischof George Bell an Rudolf Heß (8. Oktober 1936)
  11. Rudolf Heß an Bischof George Bell (23. Oktober 1936)
  12. Bischof George Bell an Rudolf Heß (30. Dezember 1936)
  13. Bischof George Bell an Rudolf Heß (1. März 1937)
  14. Der persönliche Adjutant von Rudolf Heß an Bischof George Bell (4. März 1937)
  15. Vom Bischof von Chichester an den Reichsminister Rudolf Heß (18. März 1937)
  16. Rudolf Heß an Bischof George Bell (11. Juli 1937)
  17. Bischof George Bell an Rudolf Heß (18. September 1938)

Register
Herausgeber und Mitarbeiter
Liste der Sponsoren

Vorwort

Rund acht Jahrzehnte nach der nationalsozialistischen Machtübernahme in Deutschland erscheint es uns notwendig, mit diesem Buch erneut an Bischof George Bell (1883 – 1958) zu erinnern. Er war nicht nur ein Mann der Kirche von England, der Ökumene und zentraler Unterstützer der Bekennenden Kirche von 1933 bis 1945. Er gehörte zusammen mit seinem ermordeten Freund Dietrich Bonhoeffer (1906 – 1945) zu den wenigen klaren und seinerzeit oft unbequemen Mahnern, die die Bedrohung durch die Nazi-Diktatur und die Gefahr eines weiteren Weltkriegs von Anfang an erkannten.

Mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln hat er versucht, den Verantwortlichen ins Gewissen zu reden, politischen und diplomatischen Druck auszuüben, den deutschen Wider­stand zu unterstützen, Alternativen aufzuzeigen und den Opfern der Gewaltherrschaft und des Krieges zu helfen. Die von Peter Raina publizierten Reden George Bells vor dem britischen Oberhaus und der Briefwechsel mit dem „Stellvertreter des Führers“ Rudolf Heß erschienen 2009 für englischsprachige Leser im Peter Lang Verlag.

Angeregt durch den jetzt hundertjährigen Pfarrer i.R. Rudolf Weckerling (*3.5. 1911), einen Zeitgenossen von Bischof George Bell, haben sich die Unterzeichneten zusammengetan, um dieses Buch in deutscher Übersetzung zu publizieren. Rudolf Weckerling war 1933/34 Austauschstudent in London. Dort begegnete er neben Dietrich Bonhoeffer auch Bischof George Bell. Nach dem Krieg kam es bei den verschiedenen Deutschlandbesuchen Bells immer wieder zum Kontakt zwischen ihnen. Es ist Rudolf Weckerling ein Anliegen, dass das Erbe Bells als „Ökumeniker, Brückenbauer, Fürsprecher, Europäer“ lebendig bleibt.

Wir danken allen, die zur Verwirklichung dieses Buchprojektes beigetragen haben. Speziell für die Deckung der Übersetzungskosten wurde eine Unterstützungsaktion gestartet. Ohne die zahlreichen Sponsoren, die wir auf diese Weise ansprechen konnten, hätte die Übersetzung nicht in Auftrag gegeben werden können. Als Zeichen unseres Dankes findet sich am Schluss des Buches die Liste der Sponsoren.

Der Förderverein der Evangelischen Kirchengemeinde Dahlem e.V. hat für das Projekt dankenswerterweise einen Druckkostenzuschuss gewährt. Die Pflege des Erinnerungsortes Martin-Niemöller-Haus und die Bewahrung des Erbes der Bekennenden Kirche sind dem Verein ein Anliegen.

Unser Dank gilt insbesondere dem Herausgeber Peter Raina, der dem Projekt gerne zugestimmt hat, ebenso dem Peter Lang Verlag für die Überlassung der Lizenz an den Fenestra-Verlag. Danken möchten wir Gerlinde Baumann, die die deutsche Übersetzung anfertigte. Dabei wurde die aktuelle Rechtschreibung verwandt, ausgenommen die Heß-Briefe, die in der ursprünglichen Rechtschreibung belassen wurden. An wenigen Stellen des Textes finden sich erläuternde Anmerkungen durch Gerlinde Baumann bzw. Kurt Kreibohm.

Die Einführung von Peter Raina „Moralische Autorität und politische Verantwortung“ findet sich bereits im englischen Original. Bei der deutschen Ausgabe sind hinzugefügt worden ein Geleitwort von Dr. Peter Steinbach und eine Kurzbiographie über „Bell und die Ökumene“ von Reinhard Groscurth/Marion Gardei. Ihnen allen danken wir herzlich für ihren Beitrag.

Die Entstehung des Buches wurde vom Team der Unterzeichneten koordiniert. Die Team­mitglieder gehören zur Stiftung „Topographie des Terrors“ (Dr. Andreas Nachama, Marion Gardei), zum Dietrich-Bonhoeffer-Verein e.V. (Kurt Kreibohm) und zum Fenestra-Verlag
(Dr. Karl Martin).

Der unermüdliche Einsatz George Bells hat bleibende Bedeutung. Seine Sorge galt der Förderung von Verantwortung sowohl in der Politik als auch in den christlichen Kirchen und
in anderen Religionen für ein sich einendes Europa in einer freien, gerechten, friedlichen und solidarischen Weltordnung.


Berlin, im März 2012

Marion Gardei
Kurt Kreibohm
Dr. Karl Martin
Prof. Dr. Andreas Nachama