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Berufung Rufmord Abberufung

Berufung Rufmord Abberufung

Der Ungedeihlichkeitsparagraf in den evangelischen Kirchen:
Der falsche Weg, Konflikte zu lösen

Herausgegeben von
Karl Martin,
Sabine Sunnus
und Ingrid Ullmann
1. Auflage 11/2007
160 Seiten kartoniert

ISBN 3-9809376-5-8

Preis 9,80 €
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Abstract

Es ist weitgehend unbekannt, dass evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer mit Hilfe eines so genannten „Ungedeihlichkeits“-Gesetzes aus dem Dienst entfernt werden können, ohne dass ihnen schuldhaftes Verhalten nachgewiesen werden muss. Das öffnet Mobbing Tor und Tür, die betroffenen Personen werden in ihrer Berufsrolle nachhaltig beschädigt. Oft bedeutet es das vorzeitige Ende ihrer Berufung ins Pfarramt. Die Leiden reichen von seelischer Not über soziale Ausgrenzung bis zu Gehaltskürzungen. Darüber gibt dieses Buch Auskunft.

Die Ursachen für solche Tragödien werden vor allem durch strukturelle Mängel ausgelöst und begünstigt. Der Umgang mit dem Recht lässt häufig die notwendige Sorgfalt vermissen. Grundlegende Rechtsstaatsprinzipien werden verletzt. Staatliche Gerichte können Hilfesuchenden keinen Rechtsschutz gewähren, ihnen sind durch die in Artikel 140 Grundgesetz garantierte Rechtsautonomie der Kirchen die Hände gebunden. Das Buch fordert dazu auf, diese Missstände zu beenden.

Die Autorinnen und Autoren stammen alle aus dem kirchlichen Raum. Einige sind Pfarrerinnen und Pfarrer, andere sind Gemeindeglieder und professionelle Ansprechpartner. Die Problematik wird unter erfahrungsorientierten, kirchenrechtlichen, psychosozialen, theologischen und organisationsreformerischen Aspekten entfaltet. Der Verein „D.A.V.I.D. gegen Mobbing in der evangelischen Kirche“ geht mit diesem Buch an die Öffentlichkeit, weil er hofft, damit zu einer Überwindung der Missstände beitragen zu können.

Inhaltsverzeichnis

AUFARBEITUNG VON ERFAHRUNGEN
Sabine Sunnus, Der Verein D.A.V.I.D. gegen Mobbing in der ev. Kirche - Von allen guten Geistern verlassen
Hans-Eberhard Dietrich, Die Interessengemeinschaft Recht - Das Wissen um die Ursachen
Hans-Eberhard Dietrich, Die Melsunger Initiative - Raus aus Isolation und Vereinzelung

WENN DIE MACHT IN DEN FALSCHEN HÄNDEN LIEGT
Hanns Lang und Hans-Rainer Schuchmann, Starnberg: Chronik einer „Ungedeihlichkeit“ 1999-2004
Sabine Sunnus, Steimke: Standhaftigkeit hat sich gelohnt
Sabine Sunnus, Langen: Eine konsequent inszenierte Vernichtung

DIE KIRCHENRECHTLICHE SITUATION
Hans-Eberhard Dietrich, Der Wartestand und das Dritte Reich - Eine unbequeme Wahrheit
Hanns Lang, Die „Ungedeihlichkeit“ - Tatbestandsmerkmale in sechs Anklagepunkten
Gotthold Gocht, Einladung zu Willkür - Rechtsstand und Rechtspraxis in der EKHN: Chance und Schaden

PSYCHOSOZIALE WIRKUNG UND IHRE FOLGEN
Ingrid Ullmann, Mit Mobbing-Strategien zum Erfolg - Wenn´s offen nicht klappt, geht man eben hintenrum
Mariele Berghaus, Die andere Seite der Abberufung - Am schlimmsten ist das Schweigegebot
Angelika Klinghammer, Bis zum bitteren Ende - Die ganze Familie wird abgestraft

THEOLOGISCHE SINNZWEIFEL
Psalm 41: 124 „…dass mein Feind über mich nicht frohlocken wird“
Karl Martin, Predigt über 1. Mose 19,1-17.23–26 „Rette dein Leben und sieh nicht hinter dich ...“
Jürgen Berghaus, Andacht zum Visitationsabschluss - Trauma als Gottesfinsternis

JENSEITS DER KLAGEMAUER
Hanns Lang, Gesetze allein reichen nicht - Ein verfassungskonformes Rechtsverfahren anstelle der Ungedeihlichkeit
Rainer Mischke, Konflikte innerhalb einer Kirchengemeinde - Ein Vorschlag zu ihrer Regelung
Verband der Vereine evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland e.V.,
Erste Schritte zur kirchenpolitischen Umsetzung - Thesen zur „Nichtgedeihlichkeit“ und zum „Wartestand“

AUTOREN, ADRESSEN, GERICHTSURTEILE, LITERATUR

Vorwort

„Warum muss das in die Öffentlichkeit?“

Der Verein D.A.V.I.D. e.V. arbeitet ehrenamtlich. Seine Entstehung wurde notwendig, weil Menschen in der Evangelischen Kirche an innerkirchlichem Mobbing zerbrechen. In besonderer Weise davon betroffen sind Pfarrerinnen und Pfarrer, die dem so genannten „Ungedeihlichkeitsparagraphen“ zum Opfer fallen.

Im Ergebnis wird der Ruf der Betroffenen demontiert, das soziale Umfeld komplett zerstört, die oft evangelische Sozialisation auf verstörende Weise in Frage gestellt. Die Handhabung des Rechts ist fragwürdig. Alle Faktoren zusammen treffen das Ganze ihrer Existenz. Die Leiden reichen von seelischer Not bis zur materiellen Notlage, von Isolation bis zu schwerer Depression, von Hoffnung bis zur Verzweiflung, von einstmals beruflicher Anerkennung bis zur Chancenlosigkeit. Darüber gibt unser Buch Auskunft.

Mobbing im kirchlichen Umfeld hat eine eigene Dimension. Angriffe auf Menschen und Ausgrenzung stehen im Widerspruch zu Anspruch und Aufgabe der Kirche, die in der verpflichtenden Grundordnung der EKD festgeschrieben sind. Die Betroffenen selbst erleben den destruktiven Umgang mit sich als zerstörerische Paradoxie, die sie nicht mehr in ihr Erleben einordnen können. Sie werden krank.

Die Mitglieder von D.A.V.I.D. e.V. und andere Zeugen solcher Vorgänge haben in unzähligen Aufsätzen und Briefen die Facetten dieses Themas dargestellt. Offiziell werden sie nicht wahrgenommen. Es gibt keinen Gedankenaustausch in Augenhöhe. Wie der griechische Göttervater Zeus in den Wolken, verbergen sich viele Amtsträger unter hoheitsvollen Namen in gediegenen Amtsstuben vor ihrer Verantwortung und leugnen das Thema – insbesondere in konkreten Fällen und Anfragen. Nur langsam wird Einzelnen bewusst, was hier geschieht. Zu langsam für diejenigen, die jetzt in der Zwangsjacke von Angriff, Schweigepflicht und mangelnder Rechtssicherheit stecken.

Eine Veröffentlichung ist deshalb unumgänglich. Sie ist mit der Hoffnung verbunden, dass dieses Thema durch eine kritische Öffentlichkeit ins volle Bewusstsein kirchlicher Verantwortung gerückt werden kann. Damit verbunden ist auch die Hoffnung auf Rehabilitation der Betroffenen. Es sind Hunderte. Hunderte, die, nicht zu vergessen, alimentiert werden müssen und viel lieber arbeiten würden.

Eine Veröffentlichung ist aber auch deshalb notwendig, um junge Theologinnen und Theologen zu warnen. Viele wissen nicht, auf welchem dünnen Eis sie sich juristisch befinden. Berufung und Abberufung sind nicht so weit von einander entfernt wie viele glauben.

D.A.V.I.D. e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, Stimme zu sein. Wenn aus einer Stimme viele Stimmen geworden sind, wird die beschämende Praxis der Ungedeihlichkeitsverfahren einmal eingestellt werden müssen. Ergreifen Sie Partei für Rechtsschutz und fairen Umgang in der Evangelischen Kirche!

Ingrid Ullmann
Vorsitzende des Vereins D.A.V.I.D.e.V.
zusammen mit den übrigen Vorstandsmitgliedern
Gotthold Gocht, Norbert Hufnagel, Dr. Karl Martin, Sabine Sunnus, Hans Ullmann